Matera - Ein Ausflug in die Kulturhauptstadt 2019

Matera - Kulturhauptstadt 2019 - Blick aus dem Caveoso Hotel
Matera - Kulturhauptstadt 2019

Es gibt Orte auf der Welt, die gehen ihrem Besucher direkt unter die Haut. So erging es mir vor einigen Jahren mit Matera, auf einem Platz direkt an der Gravina Schlucht, die sich tief in die felsige Landschaft der Region Basilikata gräbt. An meine ersten Eindrücke kann ich mich noch gut erinnern. Ich stieg aus dem Auto und wurde von einer trägen Nachmittags-Hitze und einer absurd ohrenbetäubenden Stille empfangen. Ganz allein und staunend stand ich am Fuße der Altstadt. Keine Stadt im alltäglichen Sinne, sondern eine graue Skulptur aus Tuffstein die sich vor mir auftürmte. Archaisch und wuchtig, aber gleichzeitig elegant und filigran. Es sah so aus, als hätte ein Bildhauer mit einem riesigen Meißel die Stadtsilhouette aus dem Fels geschlagen. Ein Eindruck, der nicht täuscht. Die sogennanten Sassi sind Höhlenwohnungen, die in den weichen Tuffstein gehauen wurden. Die Höhleneingänge versteckten ihre Erbauer einfach hinter Hausfassaden. 

Wie aus dem Fels gehauen - die Sassi von Matera
Wie aus dem Fels gehauen - die Sassi von Matera

Von der nationalen Schande zur Kulturhauptstadt

Matera ist ein Ort, der aus der Zeit gefallen scheint. Und zwar bereits vor mindestens 2000 Jahren. Wären Maria und Josef samt Jesuskind durch diese Szenerie gelaufen, hätte es mich damals, bei meiner ersten Begegnung mit Matera, nicht gewundert.

 

Ein großes Wunder ist allerdings, welch positive Entwicklung Matera in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Noch bis in die 1950er Jahren machte die Sadt als "nationale Schande" in Italien Schlagzeilen. Ein Buch brachte die katastrophalen hygienischen Bedingungen, unter denen die Menschen in Matera lebten, ans Tageslicht. In den engen Höhlen hausten Tiere und Menschen zusammengepfercht auf engsten Raum zusammen. Die Kindersterblichkeitsrate war erschreckend hoch. Krankheiten, die im Rest des Landes als längst ausgestorben galten, grassierten in den engen Gassen von Matera immer noch. Per Dekret forderte der italienische Staat die Familien auf ihre Höhlenwohnungen zu verlassen, und stattdessen in vier neue, sehr moderne Stadtviertel zu ziehen.

 

Die Sassi von Matera blieben leer zurück. Ganz in Vergessenheit fielen sie über die folgenden Jahrzehnte jedoch nicht. Immer wieder nahmen Initiativen den Kampf gegen den Verfall dieser einzigartigen Stadt auf. Ein bekannter Architekt aus der Region fand dann endlich den Schlüssel zum Erfolg. Er führte die Initiative an die es schaffte, dass die Altstadt von Matera 1992 auf der Liste der UNESCO Weltkultur-Erbe landete.

Mit dem öffentlichen Interesse kamen die Investoren. In den Sassi entstanden Hotels, B&B und Restaurants. Hippies und Künstler zogen in die Höhlen. Kirchen und Klöster wurden renoviert. Zwischen 2010 und 2017 stiegen die Besucherzahlen in Matera um 176 Prozent an. Für das Jahr 2016 bedeutete das in konkreten Zahlen knapp über 250.000 Touristen. Die Ernennung zur Kulturhauptstadt 2019 wird an diesem Boom nicht unschuldig sein.

 

Erwartet werden nun für das große Jahr in dem Matera sich Kulturhauptstadt nennen darf, eine Millionen Besucher. Das klingt im Vergleich zu den Rekordzahlen aus Florenz, Venedig oder Rom recht bescheiden. Erst ein Blick auf die Landkarte rückt die Touristenmenge wieder ins rechte Licht. Matera liegt im infrastrukturarmen Süden Italiens, der bisher noch nicht vom Massentourismus entdeckt wurde. Außerdem sind 1 Millionen Besucher fast doppelt soviele Menschen wie in der gesamten Region Basilikata leben!

Lohnt sich ein Trip nach Matera?

Matera, seine Sassi und deren Kirchen sind einzigartig! Ab dem 19. Januar 2019 gesellt sich zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten und dem unvergleichlichen Flair der Stadt, ein abwechslungreiches Kulturprogramm. Ein Kultur-Trip nach Matera lässt sich hervorragend mit einer Reise durch Süditalien verbinden. Das nahe Apulien hat neben tollen Stränden, wunderschöne Städte, trutzige Burgen und interessante Museen zu bieten. Eine Übernachtung solltet Ihr auf jeden Fall in Matera einplanen. Der Anblick der Sassi bei Nacht ist unvergleichlich!


Ankommen in Matera

Der nächste Flughafen liegt im 70 km entfernten Bari. Mit Mietwagen, Flixbus oder Cotral-Bussen geht es weiter bis nach Matera.


Übernachten in Matera

Matera bei Nacht
Matera bei Nacht

Die kleinen Hotels und B&B´s in der Stadt werden schnell ausgebucht sein. Mein Übernachtungs-Tipp: Das Hotel Caveoso mitten im Sassi-Viertel. Die Zimmer sind geschmackvoll eingerichtet. Frühstück wird in einer großen Höhle gereicht. www.caveosohotel.com


Sehenswürdigkeiten

* Die drei Sassi-Viertel Caveoso, Barisano und Cività

Die Sassi sind terrassenartig angelegt. Zwischen den Häusern verläuft ein Netz aus Treppen und kleinen Gassen. Es ist herrlich über die einzelnen Ebenen zu streifen und immer wieder neue Ausblicke zu genießen.

* Die wunderschöne barocke Oberstadt - Il Piano

Oberhalb der Sassi liegt das barocke Matera voller prächtiger Palazzi, hübscher Plätze und sehenswerter Kirchen. Das Zentrum bildet die Piazza Vittorio Veneto. Lasst Euch einfach durch die Gassen treiben. Verpassen solltet Ihr nicht die Piazza del Sedile und die Chiesa del Purgatorio, die Kirche des Fegefeuers.

* Palombaro Lungo

Die Wasserzisterne ist 18 Meter tief und kann circa 5 Millionen Liter Wasser fassen. Über Stege und Treppen ist dieses antike Bauwunder zu besichtigen.

* Casa Grotta

In dem kleinen Heimatkundemuseum wird die klassische Einrichtung einer Sassi-Höhle gezeigt.

* Chiese ruprestri

Im Mittelalter ließen sich zahlreiche Mönche in Matera nieder. Sie schlugen unzählige Kirchen in den weichen Tuffstein. In der Gegend um Matera soll es über 150 solcher Grottenkirchen geben. Die größten unter ihnen befinden sich in den Sassi, wie zum Beispiel die Kirche Madonna dell`Idris. Sie ist in die Spitze eines Felsen über der Gravina-Schlucht geschlagen. Der Ausblick von dort oben ist wunderschön!


Das Kulturprogramm 2019 und der Matera Passport

Am 19. Januar 2019 wird das Kulturprogramm unter dem Motto "Open the future" eröffnet. Was folgt, sind 12 Monate mit Opern unter freiem Himmel, Klanginstallationen in antiken Zisternen, zeitgenössischer Kunst in alten Palazzi, Konzerten in wunderbaren Kirchen oder Brotback-Workshops. Wenn Ihr einige Tage in Matera bleiben und an diversen Veranstaltungen teilnehmen möchtet, bietet sich der Matera Passport an. Er kostet 19 EUR und sichert Euch den Eintritt zu allen Veranstaltungen an 365 Tagen. Das Programm findet Ihr (auch auf Englisch) unter www.materaevents.it


Der tiefe Blick in die Gravina Schlucht in Matera
Der tiefe Blick in die Gravina Schlucht in Matera

Auf Entdeckungstour durch Apulien!

Wenn Ihr schon einmal in Süditalien seid, solltet Ihr Euch Zeit für die Erkundung des Stiefelabsatzes gönnen. Inspirationen, Ideen und Tipps für Euren Apulien-Trip findet Ihr auf meinem Blog www.unterwegs-in-rom.eu.

 

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