Buon pranzo! Ein Sonntags-Essen in der L´Osteria in Koblenz.

In der vergangenen Woche häuften sich die Nachrichten auf diversen Kanälen, in denen ich nach meinem momentanen Aufenthaltsort gefragt wurde. Viele Bekannte vermuteten mich in Rom und äußerten ihren Unmut darüber, dass ich meine Anwesenheit verschwiegen hätte. Irgendwann kam ich dahinter, warum fast jeder glaubte ich befände mich südlich der Alpen.

Es lag an meinem Whatsapp Profilbild, das nicht von mir sondern heimlich von meinem Nachwuchs hochgeladen worden war. Es zeigt einen farblich mediterran anmutenden Teller, in dessen Mitte sich ein Meeresfrüchte Risotto ausbreitet. Welches ich nicht heimlich in Italien gegessen habe, sondern  letzten Sonntag in der L´Osteria am Plan in Koblenz. 

Ein sonntägliches Mittagessen im Kreis von Freunden und Familie gehört in Rom zum Wochenend-Standard-Programm. Eine schöne Gewohnheit, die ich zurück in Deutschland, nicht vermissen möchte. Wobei ich ja in den letzten Monaten den Eindruck gewonnen habe, dass man hier dem ordentlichen Mittagessen ein opulentes Frühstücksbüffet vorzieht. Wie dem auch sei, am letzten Sonntag ging es zum Pranzo in das L´Osteria. 

Auf dem Foto ist sie leider nicht zu sehen, aber hinter einer der Säulen versteckt sich eine Ape. Der italienische Miniaturtransporter auf drei Rädern, gehört zu einem Inneneinrichtungs-Konzept, das ich mal als Italien-Flair 2.0 bezeichnen würde. Von rotweiß-karierten Tischdecken und von der Decke herabhängenden getrockneten Knoblauchzehen, fehlt weit und breit jede Spur. Um den Gast daran zu erinnern dass er sich  kulinarisch in Italien befindet, setzt man hier auf weniger klischeehafte und geschmackvollere Stilmittel. Wir haben uns  zum Beispiel unheimlich über den Salzstreuer in Azurblau gefreut, der selbstverständlich mit original italienischem Salz gefüllt war. ( Wer längere Zeit in Italien verbracht hat, weiß um die enorme emotionale Bedeutung von Lebensmitteln, die zu mindestens 100 Prozent aus Italien stammen.) 

Da man von Salz bekanntlich nicht satt wird - auch wenn es zu 100% aus Italien stammt -  komme ich jetzt zum Wesentlichen. In der L´Osteria wird Pasta und Pizza in einer offenen Cucina, Küche, gekocht und gebacken. Es ist kein emotional ergreifendes  Soulfood, das Visionen einer Kochlöffel schwingenden  Nonna (Großmutter) hervorruft, es ist schlicht und ergreifend eine  Küche mit einem Konzept, das - meiner  bescheidenen  Meinung nach - in Rom auch ganz hervorragend funktionieren würde. Besonders die jungen Römer lechzen nach solchen  Gastro-Locations mit viel Platz, durchgestylter Einrichtung und einer modernen, unkomplizierten, italienischen Karte. 

Ich persönlich habe das Pizza-Essen ja nach diversen Neapel Aufenthalten eingestellt, weil ich glaube, geschmacklich am Vesuv den Pizza-Zenit erreicht zu haben. Mein Nachwuchs  zeigte sich jedoch hochzufrieden mit seiner Pizza Margherita, die so weit über den Teller hinausragte, dass sie ein eigenes Platzdeckchen brauchte.  Der anfangs übertrieben wirkende Pizza-Radius wurde jedoch durch die perfekte Dünne des Teigs wieder ausgeglichen.  Es wäre jetzt unfair von mir Meeresfrüchte-Risotto-Vergleiche anzustellen. Koblenz liegt nicht am Mittelmeer und bei der 

L´Osteria handelt es sich eben nicht um eine kleine Osteria, in der die Nonna den Kochlöffel schwingt, sondern um Systemgastronomie. Das Geheimnis richtig guter italienischer Küche besteht aus allerbesten Zutaten und jemandem der mit Leidenschaft diese allerbesten Zutaten verarbeitet. In Anbetracht all dieser Tatsachen, fand ich das Risotto überraschend gut . 

 

Kurzum: Auch wenn ich mein Risotto weit entfernt von Italien zu mir genommen habe, gab es den ein oder anderen römischen Moment während des Sonntags-Pranzos. Auch wenn es sich bei 

L´Osteria  um Gastronomie mit System handelt, finden sich in dem durchgestylten Ambiente individuelle Kleinigkeiten, die zumindest mein nach Italien schmachtendes Herz rühren.  

Und wenn es nur ein azurblauer Salzstreuer ist. 

 

L´Osteria,  Am Plan 14 - 16