Eine Passegiata am Rhein - Ein (ziemlich italienischer) Sonntags-Spaziergang in Koblenz

Gäbe es in Rom etwas Vergleichbares wie die Koblenzer Rheinanlagen am Tiber, wäre hier jeden Sonntag die Hölle los. Zum Flanieren, Joggen und Bella Figura machen ist die fast 3,5 km lange Promenade und Parkanlage einfach perfekt. Hinzu liegt hier am Wegesrand reichlich viel Kulturgeschichte, für die man in ganz Italien  eine große Vorliebe hegt. 

 

Wenn Ihr also Lust auf einen ziemlich italienischen Spaziergang in Koblenz verspürt, dann begebt Euch zum Deutschen Eck. Hier startet meine kleine Tour mit Kultur durch die Rheinanlagen. 

 

Vorab einige Basic-Facts:

Der ältere Teil der Rheinanlagen wurde Mitte des 19. Jahrhundert von dem preußischen Gartenbaumeister Peter-Joseph Lenné, bereits zu  Lebzeiten ein wahrer Star am Gartenbaumeister-Himmel. Immerhin hatte er seine talentierten Hände bei Sanssouci und der Pfaueninsel mit im Spiel. Seine Auftraggeberin war übrigens niemand anderes als Kaiserin Augusta, die wie ihr Gatte Kaiser Wilhelm I. bekennender Koblenz-Fan gewesen sein soll.

Knapp 10 Jahre nach seinem Tod wurde Kaiser Wilhelm I. 1897 das Denkmal in Koblenz gesetzt. Hoch zu Ross blickte er von dort oben auf Rhein und Mosel nieder bis das Reiterstandbild Ende des 2. Weltkrieges zerstört wurde. Von 1952 bis 1990 diente der verwaiste Sockel als "Mahnmal zur Deutschen Einheit". Erst seit 1993 thront die Reproduktion des Kaisers wieder auf dem Sockel.  

A sinistra/links: Auf der gegenüberliegenden Rheinseite erhebt sich die Festung Ehrenbreitstein, die ihre beachtliche Größe den Preussen verdankt. Statt Soldaten in ihren Kasematten trifft man dort oben heute auf einen sensationellen Ausblick, das Landesmuseum Koblenz, eine Jugendherberge und tolle Kultur-Events!

 

A destra/rechts: Von der Talstation der Seilbahn Koblenz aus starten 17 gläserne Gondeln, um anschließend über den Rhein hoch zur Festung Ehrenbreitstein zu schweben. Die spektakulären Schwebeflüge sind seit der Bundesgartenschau im Jahr 2011 möglich. 

A destra/rechts:  Hinter der flachen Talstation der Seilbahn strecken sich die Türme der Basilika St. Kastor in den Koblenzer Himmel. Und zwar schon seit dem 9. Jahrhundert! Wirklich sehenswert und der perfekte Ort für eine Pause (auch wenn der Spaziergang gerade erst begonnen hat) sind die Gärten drumherum. In direkter Nachbarschaft befindet sich auch das Deutschherrenhaus, einst Sitz des Deutschritterordens in Koblenz. Heute residiert hier das Ludwig Museum mit ganz viel zeitgenössischer Kunst. .

A sinistra/links: In dem achteckigen Pegelhaus direkt am Rhein befindet sich ein Restaurant mit tollen Sitzgelegenheiten, sowohl draußen als auch unter der Glaskuppel. Eine  knallblaue Pegeluhr verrät den Wasserstand des Rheins. Die Plaketten an der Fassade verraten wie hoch der Fluss steigen kann. 

A destra/rechts: Ziemlich beeindruckend ist das Preussische Regierungsgebäude, das 1906 bezogen wurde. Heute ist der Bau im neoromanischen Stil Sitz des Präsidiums des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.  

A destra/rechts: Direkt vor dem Kurfürstlichen Schloss ist einem der bekanntesten Koblenzer ein Denkmal gewidmet: Joseph Görres, Publizist, Journalist und glühender Verfechter der Pressefreiheit. Die Bronzestatue weist auch den Weg zum Eingang in den Schlossgarten, dem Ihr unter allen Umständen einen Besuch abstatten sollte. 

A sinistra/links: Ganz nah kommt Ihr dem Rhein auf den 105 Meter breiten Rheinstufen. Ohne Besucher wirkt das Treppenensemble durchaus ein wenig karg. Bei schönem Wetter kann man von hier aus jedoch wunderbar vorbeituckernde Frachtschiffe und Ausflugsdampfer beobachten. Die Rheinstufen befinden sich gegenüber dem Kurfürstlichen Schloss. 

A destra/rechts: Für die BUGA 2011 wurde das Kurfürstliche Schloss und der dazugehörige Garten endlich mal in Schuss gebracht. Wo einst Wilhelm I. mit seiner Gattin Augusta Lust wandelte, darf sich heutzutage auch das normale Volk aufhalten und sich an preussischer, sehr symmetrischer Gartenbaukunst erfreuen. 

A destra/rechts:  Ein Stückchen weiter in den Rheinanlagen durchlauft Ihr die Königshalle. Die befindet sich im Rundbogen einer Brücke, die auf die andere Rheinseite führt. Das "königliche Ensemble" besteht aus zwei Gusseisernen Bänken und Wandplaketten, die an die tiefe und lange Verbundenheit des Kaiserpaares mit Koblenz erinnern. 

A sinistra/links:  Die Büste des Dichters Max von Schenkendorf wurde bereits 14 Jahre früher - im Jahr 1861 - ganz feierlich in den Rheinanlagen enthüllt. Bei dem heutigen Exemplar handelt es sich übrigens nicht um das Original, sondern um ein Replikat. Im Jahr 2012 wurde die Büste zerstört und Max von Schenkendorf blieb kopflos zurück!

A destra/rechts: Der Inbegriff rheinischer Weinseligkeit! Das Weindorf in Koblenz ist ein Miniatur-Dorf aus Fachwerkhäusern, das in den 1920er Jahren im Rahmen einer Weinausstellung erbaut wurde. Heutzutage werden drinnen wie draußen (in einem pittoresken Innenhof) Klassiker der deutschen Küche und natürlich Wein serviert. 

A destra/rechts:  Auf der Wiese vor dem Weindorf steht nicht nur der Weinbrunnen, sondern ein Stein der an das Geburtshaus von Valéry Giscard D´Estaing erinnert. Der ehemalige französische Staatspräsident erblickte hier an dieser Stelle 1926 das Licht der Welt. 

sinistra/links: In den südlichen Abschnitt der Rheinlangen verirren sich nicht mehr ganz so viele Touristen. Dabei gibt es im Herzen der Kaiserin Augusta-Anlagen noch einiges zu entdecken. Wie zum Beispiel einige hübsche Villen mit Rheinblick, ein Biergarten und ein Café, an dessen Stelle zu Kaiserzeiten eine Trinkhalle (a destra, rechts) stand. Hier gab es Wasser aus der Kurstadt Bad Ems zu trinken und am Wochenende Musik zu hören. In dem Luisen-Tempel, einem achteckigen Pavillon, bin ich als Kind immer im Kreis gelaufen, um die Inschrift im Dach zu lesen.  Die Widmung an "Ihre königliche Hoheit der Prinzessin Augusta nachmals Königin und Kaiserin..." hat mich damals mächtig beeindruckt. 

Und da ist sie nun selbst zu sehen, die Stifterin der Kaiserin Augusta-Anlagen. In Cararra Marmor verewigt wurde sie von dem Bildhauer Karl Friedrich Moest. Errichtet wurde das Kaiserin Augusta Denkmal sechs Jahre nach dem Tod der Kaiserin. Genau an dem Platz, an dem sich einst ein Spielplatz für ihre Tochter Luise befand. 

Hier am Luisenplatz begannen einstmals die historischen Kaiserin-Augusta-Anlagen und hier endet nun offiziell der Sonntags-Spaziergang, der nicht wirklich italienisch wäre, wenn nicht noch am Ende das Thema "Essen & Trinken" ins Spiel käme.  

 

Für eine  Pause empfehle ich Euch einen Zwischenstopp, auf der Terrasse des Hotel "Kleinen Riesen" direkt an den Rheinanlagen. Neben einem tollen Rheinblick gibts hier oben Flammkuchen und (gut gefüllte!) Weingläser oder Waffeln und Kaffee. 

Hotel Café Kleiner Riesen, Janarius-Zick-Str. 11, www.hotel-kleinerriesen.de