Ungewöhnlich schön!- Der unterirdische Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach

Die Mosel! Für mich als Kind ein oft angesteuertes Ausflugsziel am Wochenende. Wir fuhren gemächlich die vielen Flußschleifen entlang und bewunderten die pittoresken Weindörfer. So gelangten wir in unserem Opel Ascona meist bis nach Cochem. So lange ich denken kann DAS Epizentrum der Mosel-Touristik. Nach einem Blick hoch zu der trutzigen Reichsburg, einem Stückchen Sahnetorte samt Kännchen Kaffee für die Erwachsenen und einer Portion Eis mit Sahne für den Nachwuchs ging es dann auch schon wieder zurück nach Koblenz. Bis zu dem Ort Traben-Trarbach bin ich damals nie chauffiert worden. Ich kannte den Namen nur von  Straßenschildern. Vor meinem kindlichen geistigen Auge sah ich beim Lesen des zweiteiligen Ortsnamen jedesmal einen noblen Kurort entstehen, dessen absolutes Highlight eine Trabrennbahn darstellte. Und selbst heute - älter geworden und etwas belesener - kam mir als erstes Hufgetrappel in den Sinn, als ich von einem ungewöhnlichen  Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach hörte. 

 

Unterirdisch sollte der sein. Beheimatet in  Kellergewölben, die mit zu den größsten in Europa zählen. Groß werden lassen hatte die Weinkeller eine immense Nachfrage an Rieslingsweinen im 19. Jh.. In Traben-Trarbach wurde fast so rege Weinhandel getrieben wie im französischen Bordeaux. Es gab also viele solvente Traben-Trarbacher, die sich schicke Wohnhäuser leisten konnten, die sie im damals angesagten Jugendstil erbauen ließen. Guter Wein, interessante Architektur und ein Weihnachtsmarkt unter der Erde - das musste ich mich einfach angucken

Wie ich bei der Ankunft in Traben-Trarbach feststellen durfte, war ich nicht die einzige mit Lust auf einen etwas anderen Weihnachtsmarkt. Nach einer langwierigen Parkplatzsuche, ging es zusammen mit zahlreichen anderen Besuchern (viele Franzosen und Belgier) über eine Moselbrücke durch zwei imposante Brückentore aus dem 19. Jhd. mitten hinein ins weihnachtlliche Getümmel. Direkt am anderen Ufer wartete schon der erste Weihnachtskeller auf uns. 

Die vier Weihnachts-Keller sind unterschiedlich groß und verteilen sich fußläufig von einander entfernt über das Städtchen. Manche Unterwelt ist verwinkelt, verläuft über mehrere Etagen, eine andere ist wiederum Hallenartig angelegt. Überall duftet es verlockend. Nach Zimt, Waffeln oder Mandeln. Man erreicht die Gewölbe über steile Treppen oder schmale Gänge.  Langweilig wird es einem beim Erdkunden der Keller nicht. Woran die Stände einen großen Anteil haben. Viel Kulinarisches wird vom nahen Frankreich angeboten, allerlei Weihnachtsdeko, Schmuck, Taschen, Home-Accessoires. Wer auf der Suche nach einem individuellen Weihnachtsgeschenk ist, wird hier mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit fündig. Der Anteil an wenig erquicklichen Weihnachts-Kitsch ist erfreulich niedrig. 

Mein absolutes Highlight war ein Stand mit italienischen Spezialitäten. Es wurden sogar Porchetta-Brötchen angeboten. Noch bis vor kurzem habe ich den würzigen Schweinebraten am liebsten in Frascati mit Blick auf Rom gekauft! An dieser Stelle "Grazie mille" für diesen schmackhaften italienischen Moment.  

Oberirdisch hat Traben-Trarbach ebenfalls optisch einiges zu bieten. Die Sträßchen sind schmuck hergerichtet, die Jugendstil-Villen gut in Schuss. Wie zum Beispiel das schicke Hotel Bellevue. 

Zum Abschluss bin ich noch in ein Café mit 1970er Jahre Charme einkehrt. Die "Kaffee-nur-im Kännchen"-Terrasse hatte ob der Witterungsbedingungen noch geschlossen. Dafür sorgte eine Bedienung im kleinen Schwarzen kombiniert mit einer rüschigen weißen Schürze für nostalgische Gefühle. Mein Tagesfazit lautet - umzingelt von einer Ladung Bustouristen bei einer Tasse Filterkaffee: Gut, dass ich es endlich einmal bis Traben-Trarbach geschafft habe. Auch wenn das Publikum tendenziell bereits in den 1970er Jahren Kaffee trinken durfte, während ich noch an einer Limo nippte, mochte ich die Atmosphäre. Sie war nicht altbacken - wie ein wenig befürchtet - sondern stimmungsvoll! Und statt Kitsch gab´s ziemlich viel Stil!